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Recht & Sicherheit · 1 Min. Lesezeit

Telefonanlage gehackt? So schützen Sie Ihr Unternehmen vor Toll-Fraud

Angreifer kapern Telefonanlagen, um auf Ihre Kosten teure Auslandsnummern anzurufen.

Kurz gesagt

Toll-Fraud entsteht meist über schwache Passwörter, offene Ports, ungeschützte Voicemail oder alte Software. Schützen Sie die Anlage durch Zugriff nur von bekannten IP-Adressen, gesperrte Auslands- und Sonderrufnummern und Kostenlimits beim Provider. Bei einem Angriff lassen Sie zuerst die Leitung sperren.

Wie greifen Angreifer an?

Toll-Fraud heißt: Unbefugte telefonieren über Ihre Anlage, und Sie zahlen die Rechnung. Die typischen Wege sind:

  • SIP-Scanning: Automatisierte Scanner suchen offene SIP-Ports und probieren schwache Passwörter aus.
  • Voicemail-Hijacking: Angreifer raten die Mailbox-PIN und richten eine Weiterleitung ins Ausland ein. Laut 1&1 Versatel ist die PIN oft nur vierstellig.
  • Zugangsdaten von Trunk oder Cloud: Wer sie kennt, braucht Ihre Anlage gar nicht.
  • Vishing: Anrufer geben sich als Techniker aus und fragen nach Passwörtern.

Welche Schutzmaßnahmen wirken?

  • Zugriff begrenzen: Nur Ihr SIP-Provider und Ihre Standorte dürfen die Anlage erreichen. Der Admin-Zugang gehört ins interne Netz oder hinter ein VPN.
  • Passwörter und PINs: Lange Zufallspasswörter für jede Nebenstelle. Voicemail-PINs sollten mindestens acht Stellen haben und nach höchstens drei Fehlversuchen gesperrt werden.
  • Rufnummern sperren: Sperren Sie Auslands- und Sonderrufnummern, die Sie nicht brauchen. Geben Sie nur die Länder frei, die Ihr Geschäft braucht.
  • Kostenlimit: Vereinbaren Sie ein Tageslimit und eine Warnmeldung beim Provider. Ein Limit für gleichzeitige Gespräche begrenzt den Schaden pro Stunde.

Der Ernstfall: diese Reihenfolge

  1. Leitung stoppen: Lassen Sie den Trunk oder das Cloud-Konto beim Anbieter sperren.
  2. Beweise sichern: Sichern Sie Gesprächsprotokolle, Logs und Konfiguration, bevor Sie etwas löschen.
  3. Einfallstor schließen: Ändern Sie alle Passwörter und PINs und entfernen Sie unbekannte Nebenstellen.
  4. Rechnung beanstanden: Nach § 67 TKG können Sie innerhalb von acht Wochen beanstanden. Liegt die Ursache bei Ihrer Anlage, sehen Anbieter das Risiko meist beim Kunden. Lassen Sie die Rechtslage prüfen. Dies ist keine Rechtsberatung.
  5. Datenschutz prüfen: Bei Datenabfluss kann eine Meldung nach Art. 33 DSGVO nötig sein, binden Sie Ihren Datenschutzbeauftragten sofort ein.

Quellen

Von DEBFT-Redaktion ·

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass meine Telefonanlage gehackt wurde?

Typisch sind Gespräche ins Ausland oder zu Sonderrufnummern, die niemand geführt hat, besonders nachts oder am Wochenende. Auch unbekannte Nebenstellen, geänderte Rufumleitungen oder eine Warnung des Providers deuten darauf hin.

Reicht eine Firewall, um eine VoIP-Telefonanlage zu schützen?

Nein, eine Firewall allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass nur bekannte Gegenstellen die Anlage erreichen, dazu kommen starke Passwörter, gesperrte Zielrufnummern, Kostenlimits und aktuelle Software.

Muss ich die Kosten zahlen, wenn Hacker über meine Anlage telefoniert haben?

Das hängt vom Einzelfall und vom Vertrag ab. Beanstanden Sie die Rechnung sofort schriftlich und lassen Sie die Rechtslage von einem spezialisierten Anwalt prüfen.

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