Wer im Lager, in der Halle oder im Labor erreichbar sein muss, braucht verlässliche schnurlose Telefonie.
Kurz gesagt
Für ein Büro reicht oft eine Basisstation, für Lager und Hallen braucht es ein Multicell-System mit Handover. Vor dem Kauf steht eine Funkausleuchtung vor Ort, dazu aktuelle Verschlüsselung und robuste Mobilteile mit passender IP-Schutzart.
DECT ist der Funkstandard für schnurlose Telefone im eigenen Band 1880 bis 1900 MHz. Dafür braucht es keine Einzelgenehmigung, und das Band teilt sich nicht mit WLAN, Laptops oder Scannern.
Single-Cell oder Multicell?
Eine Basisstation reicht für ein Büro auf einer Etage. Für Gebäude, Hallen und Gelände brauchen Sie Multicell mit Handover, also Gespräche, die beim Wechsel der Funkzelle ohne Unterbrechung übergeben werden. Roaming meldet ein Mobilteil dagegen im Ruhezustand bei der besten Basis an.
Planen Sie auch die Kapazität. Das Gigaset N870 IP PRO unterstützt laut Datenblatt pro DECT-Manager bis zu 60 Basisstationen und 60 parallele Gespräche. In der Praxis liegt die Grenze selten bei der Zahl der Mobilteile, sondern bei den Gesprächen pro Zelle.
Ohne Funkausleuchtung keine Planung
Herstellerangaben gelten für ideale Bedingungen. Wände, Metall und Ware bestimmen die Reichweite, deshalb messen Sie vor Ort.
- Hochregallager: Messen Sie im vollen Zustand, denn Regale und Ware dämpfen stark.
- Kühlbereiche: Metallpaneele schirmen oft fast vollständig ab.
- Halle und Werkstatt: Mobilteile ab IP65 sind staubdicht und strahlwassergeschützt. Bei Nassreinigung sollten Sie IP67 prüfen.
Die IP-Schutzart sagt nichts über Sturzfestigkeit oder Desinfektion. Ob ein Alarmknopf für Alleinarbeit reicht, hängt von der Gefährdungsbeurteilung ab.
Sicherheit: Verschlüsselung ab Verbindungsaufbau
2008 bis 2010 zeigten Forscher, dass viele DECT-Geräte nicht verschlüsselten. Heute zählen Verschlüsselung ab Verbindungsaufbau, häufiger Schlüsselwechsel und die DECT-Security-Zertifizierung. Prüfen Sie die Stufe im Datenblatt. Den Schutz der ganzen Anlage erklärt der Ratgeber Telefonanlage vor Hacking schützen.
- Ersetzen Sie die Standard-PIN 0000 und öffnen Sie den Anmeldemodus nur kurz.
- Melden Sie verlorene Mobilteile sofort ab und halten Sie die Firmware aktuell.
- Ältere Geräte lassen sich oft nicht per Update nachrüsten. Ein Austausch ist dann meist sinnvoller.
Eine Basisstation mehr kostet wenig im Vergleich zu Gesprächsabbrüchen, die das Team jeden Tag ärgern.
Quellen
- teltarif.de: Bundesnetzagentur verlängert Allgemeinzuteilung für DECT bis 2035 (5.12.2024)
- Gigaset: Datenblatt N870 IP PRO, Stand Oktober 2025 (PDF)
- Gigaset Pro Wiki: FAQ DECT Security
- Nohl, Tews: Kann man mit DECT noch vertraulich telefonieren? DuD 11/2010 (PDF)
- Stiftung Warentest: IP-Schutzarten verstehen
Häufige Fragen
Braucht man für DECT im Unternehmen eine Frequenzgenehmigung?
Nein. Die Bundesnetzagentur hat die Frequenzen per Allgemeinzuteilung freigegeben, die maximale Strahlungsleistung liegt bei 250 mW ERP. Achten Sie auf CE-gekennzeichnete Ware für den europäischen Markt.
Wie viele Basisstationen braucht ein Lager oder eine Halle?
Das lässt sich nicht pauschal sagen, weil Regale, Metall und Ware die Funkausbreitung stark beeinflussen. Verlässlich ist nur eine Funkausleuchtung mit Messgerät vor Ort, bei der auch die Zahl gleichzeitiger Gespräche berücksichtigt wird.
Ist DECT abhörsicher?
Nur mit aktueller Technik. Ältere Geräte waren angreifbar, aktuelle Business-Systeme unterstützen Verschlüsselung ab Verbindungsaufbau. Achten Sie auf die DECT-Security-Zertifizierung und halten Sie die Firmware aktuell.